Predigttext Römer 12:


1 Ich ermahne euch nun, Brüder und Schwestern, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr euren Leib hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig sei. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst. 2 Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, auf dass ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.


Die Gnadengaben im Dienst der Gemeinde

3 Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass niemand mehr von sich halte, als sich's gebührt, sondern dass er maßvoll von sich halte, wie Gott einem jeden zugeteilt hat das Maß des Glaubens. 4 Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, aber nicht alle Glieder dieselbe Aufgabe haben, 5 so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, aber untereinander ist einer des andern Glied. 6 Wir haben mancherlei Gaben nach der Gnade, die uns gegeben ist. Hat jemand prophetische Rede, so übe er sie dem Glauben gemäß. 7 Hat jemand ein Amt, so versehe er dies Amt. Ist jemand Lehrer, so lehre er. 8 Hat jemand die Gabe, zu ermahnen und zu trösten, so ermahne und tröste er. Wer gibt, gebe mit lauterem Sinn. Wer leitet, tue es mit Eifer. Wer Barmherzigkeit übt, tue es mit Freude.


Liebe Gemeinde,


11 Kapitel lang legt Paulus im Römerbrief dar, was das Evangelium ist: eine Kraft Gottes, die selig macht, die rettet jeden, der dieser Botschaft vertraut. In einer Tiefe, wie sonst nirgends im NT geschieht das hier. Gott hat seinen Sohn in diese Welt gesandt, dass wir durch ihn leben sollen. Der Gekreuzigte ist der Auferstandene. Was heißt das für uns? Martin Luther meinte, es wäre für jeden Christenmenschen dran, diesen Römerbrief Wort für Wort auswendig zu lernen. So wichtig ist dieser Brief!


Und am Ende von Kap 11 muss Paulus staunend anbeten: Gott in seiner Weisheit und der Tiefe seiner Gedanken, ihm gebührt Anbetung und Ehre in Ewigkeit!


Wer es kapiert hat, der kann nur noch anbeten! Gott hat alle, sein auserwähltes Volk und die anderen Völker in den Ungehorsam eingeschlossen, damit er sich über alle erbarme.


Es gibt nichts, was uns rettet, als Gottes unergründliches Erbarmen. Er liebt uns. Er hat für uns Sünder sein Höchstes gegeben. Alle finden bei Christus Gnade in Fülle. Ohne Unterschied. Unsere Rettung war ganz Gottes Tat! Damit ist aller Hochmut des Menschen gedämpft. Aus Glauben, im Vertrauen und Bekenntnis dieses unverdienten Geschenkes wird dieses Heil Gottes angeeignet.


So groß ist unsere Verlorenheit. Alle sind vor Gott schuldig. So groß ist Gottes Gnade: umsonst, ohne Verdienst, werden wir durch Jesus gerecht vor Gott und seine Kinder.


Und was heißt das nun für uns?


ERSTENS: der andere Gottesdienst V 1.


üblich war es damals, einen neuen Gott in die Reihe der Verehrten aufzunehmen. Neben Jupiter, Mars und Venus nun noch den Christus der Kirche. Und zu den gegebenen Anlässen kann man am Tempel oder Hausaltar des neuen Gottes auch seine Opfergaben darbringen.


Das Christentum aber ist keine Religion wie andere: Gott hat für uns das heiligste und reinste Opfer dargebracht, um uns zu versöhnen: am Kreuz von Golgatha. Kein Opferdienst mehr!


Sondern nun gilt: euer Gottesdienst ist eure Hingabe. „Du gabst deinen Sohn für mich. Nun will ich für dich leben“. Mein Dasein, mein Leib, meine Gedanken, meine Zeit, mein Hab und Gut, das soll Gott dienen. Gott hat kein Interesse an unserem Opfer, sondern an unserem Leben. Er mit uns und durch uns. Er will mit uns die Welt verändern. Und das beginnt in meinem eigenen Leben.


Gottesdienst ist sonntags? Nein. Gottesdienst ist Alltag. Was wir Gottesdienst nennen, das heißt bei Paulus Versammlung. Alles, was wir tun, mit Worten oder mit Werken, das tun wir im Namen des Herrn Jesus Christus vor Gott.

Ich gehe ins Büro. Aufs Feld, in die Schule, ich habe Pause…das meint immer: ich geh zum Gottesdienst.


Wie können wir Gottesdienste feiern, in denen Versammlung so schwierig ist wie in Pandemiezeiten? Eine Antwort wäre: Da ist der andere Gottesdienst. An den werden wir heute erinnert.


ZWEITENS: das erneuerte Denken: Vers 2


Wer aus diesem Evangelium lebt, wer sein Leben als Gottesdienst versteht, der kommt um Veränderungen nicht herum. Ein vom Evangelium gehaltenes Leben wird sich umgestalten. Das Schema F der Welt um uns her, das greift nicht mehr. Was alle so machen und gut finden, das verliert seinen Reiz. Wer glaubt, denkt anders. Über Gott. Über sich selbst und über die andern.


Damals war alles noch ganz aufregend und neu! Ganz wenige Christen gab es zu den Zeiten des Römerbriefes. Da fiel man auf! Das brauchte Mut. Ganz langsam wurde die Gesellschaft christlich geprägt, das dauerte allerdings Jahrhunderte!


Ich komme aus anderer Zeit als die ersten Christen in Rom. Es geht mir so: ich bin in einer Gesellschaft groß geworden, in der Gottes Gebot und Wille von er großen Mehrheit akzeptiert und respektiert wurde. Als Christ fiel man gar nicht weiter auf. An Ostern, Weihnachten, Pfingsten, da gingen gefühlt alle zur Kirche, sonntags immerhin viele. Ehe, was das ist, das war allen klar. Zwei Geschlechter gibt es, haben wir in Biologie gelernt. Kann man als Christ zur Bundeswehr? Das war so ein erstes tieferes Nachdenken. Man kann auch anderer Meinung sein, Verweigern oder Bund? Fleißig und ehrlich soll man arbeiten. Und wenn ich etwas von Gott wissen möchte, dann lese ich in der Bibel nach.


Ganz langsam veränderte sich die Mehrheitsgesellschaft. Toleranz und Akzeptanz dominieren, niemand darf ausgegrenzt werden. Gleichbehandlung aller und Gleichstellung aller. Neue Wissenschaft mit ganz anderen Ansätzen. Gottes Gebote, die müssen heute so anders ausgelegt werden? Hat Gott das so gemeint? Und zur Kirche geht heute nur noch eine Minderheit. In diesen Zeiten sowieso. Glaube und Wissenschaft seien unvereinbar, heißt es seit neuem wieder. Es gebe so viele Geschlechter, heißt es. Ehe gibt es für alle. Abtreibung und Ehescheidung sind Standards geworden. Die Nationalstaaten seien überholt. Was kommt danach? Wer so fragt, macht sich verdächtig. Neue Themen sind Klima und Gerechtigkeit. Globale Lösungen werden überall gefordert. Werte, davon ist die Rede, aber Gebote Gottes? Gott wird immer mehr zu einem unscharfen Begriff, einem Containerwort. Alle meinen doch denselben, oder? Ich erlebe also einen gegenläufigen Prozess. Unsere Gesellschaft wird immer weniger vom Evangelium geprägt. Mehrheiten sind heute ganz woanders.


So schleichend ist das gekommen. Darin liegt eine Gefahr! Wir merken es gar nicht mehr! Und wo stehen wir heute, wo es ohne Gott doch ganz gut zu gehen scheint? Heute stehen wir vor großen Ängsten bei den Menschen: Klimakollaps und Pandemie. Angst scheint so viele zu regieren. Wollten wir dahin?


Wie kommen wir da heraus? Erneuert euer Denken! Was nennt Gott gut und was nicht? So zu fragen, könnte uns wieder zur Minderheit machen. Am Kreuz Christi festzuhalten, diesem Skandal, dieser Absage an menschliche Religion, das kann heute wieder einsam machen. Dennoch: neu nachdenken. Vom Evangelium her!


DRITTENS: Teil des Ganzen sein (Vv 3-8)

Ich bin mit Christus verbunden. Mein erster Bezugspunkt. Er ist mein Herr, mein Retter, meine Hoffnung. Mit den anderen in der Gemeinde verbunden durch ihn. Das ist ein Organismus. Ein Teil davon bin ich. Begrenzt, aber gebraucht. Verschieden, aber wichtig. Einander zu dienen. Zu helfen mit meinem Glauben und meinen Gaben.


Zielrichtung lautet dann nicht, wie werde ich etwas aus mir machen? Sondern: Was kann ich für den Leib der Gemeinde tun? Wir gehören zusammen. Wir sind füreinander da. Ich bin Teil des Ganzen, das von Jesus gesteuert wird.

Teil der Gemeinschaft.


Wohl wahr, das ist eine Herausforderung in Zeiten der Abstandregeln. Ideen wie wir Gemeinde leben sind gefragt.

Werden wir kreativ. Amen.